Bin ich nur das, was andere in mir sehen?

Titel: Die zweifelhafte Miss DeLancey

Autor/in: Carolyn Miller

ISBN: 9783775159845

Wertung: 5 Sterne

Clara DeLancey ist mit ihren 25 Jahren in den Augen der meisten schon eine alte Jungfer. Als sie noch jünger war, hatte sie einige Verehrer. Doch mit dem Mann, den sie eigentlich hätte heiraten sollen, hat es nicht funktioniert. Obwohl es in den Augen ihrer Eltern eine vorteilhafte Verbindung gewesen wäre, liebte dieser Mann eine andere. Inzwischen ist er glücklich mit ihr verheiratet, und Clara ist einsam und verzweifelt. Sie schämt sich für ihr Verhalten, als sie das Herz dieses Mannes unbedingt gewinnen wollte, und sie leidet sehr darunter, dass ihre Gefühle nicht erwidert wurden.

Clara lebt inzwischen mit ihrer Familie im Küstenort Brighton. Ihre Verzweiflung treibt sie oft nachts auf die Klippen. Einmal steht sie gefährlich nah am Rand, und fragt sich ob ihr Leben überhaupt noch sinnvoll ist. In ihrer Not wird sie von einem jungen Mann gerettet. Schnell flieht sie in die Nacht, denn sie möchte nicht erkannt werden. Zu peinlich ist ihr dieses Erlebnis.

Dieser junge Mann hat seine eigenen Probleme, denn er hatte erst kürzlich ein traumatisches Erlebnis. Er verlor dabei seine Karriere und seinen Besitz.

In einer Bücherei trifft Clara zwei freundliche Schwestern. Auch wenn ihre Eltern dagegen sind, dass sie Zeit mit Menschen verbringt, die einem niedrigerem Stand angehören, tut Clara diese Freundschaft sehr gut. Sie beginnt sich wieder mit dem Glauben zu beschäftigen und findet bei Gott Annahme und Halt. Langsam beginnt sie zu erkennen, dass sie auch ohne Ehemann wertvoll ist. Dabei gibt es einen jungen Mann, von dem sie fasziniert ist. Aber es scheint völlig unmöglich zu sein, dass die beiden Menschen zueinanderfinden.

Dieses Buch nimmt den Leser mit hinein in die aufregende Welt der Regency-Ära. Es ist der dritte Teil einer dreiteiligen Reihe, aber man kann es gut lesen, ohne die beiden anderen Bände zu kennen. In der Welt der Reichen sind die Bälle traumhaft, doch es wird boshaft getratscht. Das Standesdenken spielt eine große Rolle, und beim Lesen spürt man, wie tief die Kluft zwischen dem Adel und den niederen Ständen ist. Kaum vorstellbar in unserer Zeit, ist die Bedeutung einer Ehe für eine junge Frau, die ihr Wert und einen Platz in der Gesellschaft verleiht. Dabei geht es weniger um Liebe als um eine passende Verbindung.

Besonders spannend beim Lesen ist die Entwicklung Claras. Aus tiefster Verzweiflung findet sie zurück zu einem lohnenden Leben. Ihre Fragen bewegen auch den Leser. So fragt sie sich, wie sie vergeben kann. Sie lernt für ihre Feinde zu beten und sieht wie viel besser es ihr damit geht als mit Hass. Vor allem fragt sie, wer bin ich? Wer ist Clara? Sie findet den Mut sich nicht nur nach den Vorstellungen ihren Eltern zu richten, sondern Gott zu fragen, was er aus ihrem Leben machen will.

Fazit: Ein traumhafter Ausflug in die Zeit Jane Austens. Dieses Buch verbindet eine zarte Liebesgeschichte mit schweren Fragen, wie die Frage nach dem Selbstwert, nach Vergebung und nach echter Freundschaft. Sehr empfehlenswert!