Wunderschön gestaltet, aber…

Titel: Für alles gibt es eine Zeit

Autor/in: Christina Brudereck

ISBN: 9783789398131

Wertung: 2 Sterne

Dieses hochwertige Buch ist wunderschön gestaltet. Es ist eine Freude es in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Jede Seite ist einzigartig gestaltet. Schön gesetzte Texte werden ergänzt mit passenden Bildern und dezenten Mustern. Jede einzelne Seite lädt zum Verweilen ein.

Die Texte folgen dem Jahreslauf, angefangen mit dem Advent, dem Beginn des Kirchenjahrs. Neben den bekannten kirchlichen Festen, gibt es Texte zum Tagesablauf, dem Sonntag, und den einzelnen Monaten. Dabei werden neben den bekannten Festen auch unbekannte Gedenktage erwähnt, wie z.B. dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.

Bei den Texten kann man Geschichten, Gebete, Segenssprüche und Anregungen für die Gestaltung der jeweiligen Jahreszeit entdecken. Die Texte laden zum Innehalten und „in sich hineinhorchen“ ein. Der Leser kann bewährte, aber auch neue Rituale entdecken und einüben.

Dieses Buch, in einem christlichen Verlag erschienen, wendet sich an Christen, und legt einen Schwerpunkt auf den christlichen Glauben. Viele Texte nehmen Bezug auf biblische Geschehnisse oder Texte. Aber leider scheint das Buch, neben christlichen Elementen auch andere Glaubensinhalte vermitteln zu wollen.

Einige Beispiele:
Bei dem Morgengebet auf Seite 23 heißt es, „Ich will eintreten in den Machtbereich der göttlichen Herrscherin, der Lebendigen.“, mit der Verweisstelle Psalm 71, 16. (Allmächtiger Herr, deine großen Taten will ich rühmen. Ich will allen erzählen, dass du allein gerecht und gut bist.). Zusammen mit der Bibelstelle könnte der Leser, der sich nicht die Mühe macht nachzuschauen, den falschen Eindruck bekommen, die Bibel spricht von Gott als göttliche Herrscherin.

In demselben Text heißt es weiter, „Ich ahne deine Liebe herbei. Ich glaube mich in deinen Bereich… Ich liebe mich in deine Gegenwart…“ Solche Texte, die vielleicht emotional ansprechend sind, vermitteln den Eindruck, dass es bei der Gottesbegegnung auf unsere Wünsche und unser Sehnen ankommt. Das ist weit entfernt von dem Gottesbild der Bibel, die von einem allmächtigen, souveränen Gott spricht, der die Menschen sucht.

Bei dem Vergebungsritual auf Seiten 40/41 wird gebetet, „Komm, Geist der Vergebung. Löse mich!“ Vergebung ist mit Sicherheit wichtig, aber nach dem Zeugnis der Bibel ist es Jesus, der vergibt. Was ist mit einem Geist der Vergebung gemeint? Ob solche vage, vor allem aber unwahre Aussagen hilfreich sind?

Obwohl es noch viele Beispiele für die diffuse Religionsvermischung in den Texten gäbe, würde das den Rahmen dieser Rezension sprengen. Ein letztes Beispiel entnehme ich der Seite 105, zum Thema Tod. Nach der Feststellung, dass die Toten bei Gott geborgen sind, heißt es, dass wir vertrauen, „… dass wir alle leben werden und uns wiedersehen in Gottes neuer Welt“. Das ist eine wunderschöne Hoffnung, aber Jesus spricht davon, dass es für Tote auch ein ewiges Getrenntsein von Gott geben kann, wenn sie zu Lebzeiten nicht das Angebot der Sündenvergebung durch Jesus annehmen.

Mir scheint es in diesem Buch um eine Wohlfühlreligion zu gehen. Elemente anderer Religionen werden mit dem biblischen Glauben vermischt. Das ist besonders für die Leser gefährlich, die noch wenig über den Glauben wissen. Sie werden von wohlklingenden Gedanken eingenommen, die nicht auf Wahrheit basieren.

Wunderschön gestaltet, aber mit irreführenden Texten, kann ich dieses Buch nicht empfehlen. Schade, denn der Grundgedanke und die Gestaltung sind wirklich vielversprechend.