Es ist ein ganz normaler Sommertag. Melanie Oetting denkt noch über die vergangenen Tage nach, über eine erfüllte Zeit auf einer christlichen Konferenz. Da stürmen ihr Exmann, zwei ihrer Kinder, Polizeibeamte und ein Kriseninterventionsteam in ihr Wohnzimmer. Was sie sich dann anhören muss, gehört zum Schlimmsten, was eine Mutter erleben kann: Sie erfährt, dass ihr Sohn Severin tödlich verunglückt ist.
Das Erleben der Autorin angesichts dieses schweren Schicksalsschlags ist eingebettet in eine ehrliche, interessante Erzählung über ihr Leben insgesamt. Sie berichtet von ihrer Kindheit und Jugend, von Ehe und Scheidung, von Krisen und von ihrem wachsenden Glauben. Dabei erlebt sie innere Heilung und Versöhnung. Freuden und Schmerz liegen auf ihrem Lebensweg eng beieinander. In allem richtet die Autorin ihren Blick bewusst auf ihren himmlischen Vater, den sie als liebevoll und fürsorglich erlebt. Sie bemüht sich seiner Führung zu folgen; vor allem aber lernt sie, seinen Trost anzunehmen und weiterzugeben.
Trotz des schweren Themas ist das Buch äußerlich ansprechend gestaltet. Das goldene Herz auf dem Cover fällt sofort ins Auge. Das beiliegende Lesezeichen ist ein schönes Extra, und die Familienfotos bereichern den Inhalt.
Diese authentische Lebensgeschichte ist spannend zu lesen und in vielen Aspekten gut nachvollziehbar. Allerdings überrascht, wie wenig Raum der verstorbene Sohn selbst einnimmt. Stattdessen stehen die Eheprobleme und die Scheidung stärker im Mittelpunkt. Auch die anderen Kinder bleiben eher im Hintergrund und wirken stellenweise wie schemenhafte Randfiguren. Das ist verständlich, lässt aber den Wunsch offen, sie besser kennenzulernen.
Die Autorin ist überzeugte Katholikin. Einige ihrer Überzeugungen bleiben mir als protestantische Christin fremd, wie der Wunsch nach einer Annullierung ihrer Ehe oder ihre Gedanken zum ewigen Schicksal ihres Sohnes. Trotzdem ist es wertvoll und ermutigend zu lesen, wie sie in jeder neuen Krise Halt bei Gott findet.
Fazit: Ein ehrlicher und bewegender Lebensbericht über Verlust, Ehe und Glauben. Das Buch überzeugt durch persönliche und authentische Gedanken und ist besonders für Leser empfehlenswert, die sich für Lebensberichte interessieren und die nach Trost und Orientierung im Glauben suchen.


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