Südafrika im 2. Weltkrieg und eine multikulturelle Liebe

Titel: Pontenilo

Autor/in: Irma Joubert

Wertung: 4 Sterne

Klara Fourie steht kurz vor dem Schulabschluss. Sie hofft, dass sie, wie ihre älteren Brüder, studieren darf. Als es so weit ist, darf sie tatsächlich die Familienfarm verlassen und in der Großstadt studieren, denn sie wird mit ihren beiden Brüdern und einer Freundin bei einer Tante leben.

Die Jahre ihres Studiums sind vom 2. Weltkrieg überschattet. Obwohl die Kriegsschauplätze zunächst weit entfernt sind, sorgen unterschiedliche Loyalitäten für Spannungen in südafrikanische Familien. Während die meisten auf Seiten der Briten sind, gibt es einige, die die Deutschen unterstützen, so auch Klaras Bruder, Boelie. Klara selbst findet diesen Krieg einfach nur schrecklich, denn diese Zahlen, die Opfer, das sind ja alles Menschen.

In Nordafrika kämpfen südafrikanische Truppen gegen die Italiener. Dabei verliert ein guter Freund Klaras das Leben. Als kurz danach ein italienischer Kriegsgefangener, Antonio, auf ihrer Farm lebt, um am Bau einer Brücke mitzuarbeiten, kann sie nicht umhin ihn als Feind anzusehen. Zu frisch ist die Wunde, die der Tod ihres Schulfreunds geschlagen hat.

Antonio stammt aus einem kleinen Dorf in Italien. Er hätte zu gern sein Architekturstudium abgeschlossen, doch stattdessen musste er, wie alle Männer in seinem Alter, zur Armee. Er lässt eine Verlobte zurück, die ihn anfleht, bald wiederzukommen.

Antonio und Klara lernen sich besser kennen, und mit der Zeit kann Klara ihre Vorurteile überwinden. Doch so gern sie sich haben, eine tiefe Kluft liegt zwischen ihnen. Ganz abgesehen von Antonios Verlobte, scheint eine Liebesbeziehung zwischen einem Italiener und einer Südafrikanerin unmöglich zu sein.

Dieses Buch ist Teil einer Trilogie, doch es kann unabhängig von den beiden anderen Bänden gelesen werden. Wer „Hinter dem Orangenhain“ oder „Gewundene Pfade“ kennt, wird einige Charaktere und Geschehnisse wiederentdecken. Ein großer Schwerpunkt dieses Buchs ist die südafrikanische Geschichte während des 2. Weltkriegs. Das ist eine ganz andere Perspektive, die in Europa wenig bekannt ist. Die Autorin ist Historikerin und versteht es gut geschichtliche Zusammenhänge in der Erzählung einzubauen. Für Leser, die in erster Linie eine unterhaltsame Lektüre suchen, könnte das jedoch zu viel sein.

Im Vergleich zu Persomi in „Hinter dem Orangenhain“ bleibt die Hauptperson dieser Erzählung, Klara, etwas blass. Erst gegen Ende des Buchs lernt der Leser ihre Gedankengänge besser kennen. Christina dagegen, ihre Freundin, wird greifbarer dargestellt.

Fazit: Ein weiteres spannendes Buch einer besonderen südafrikanischen Autorin, das sehr gut die verschiedenen Einstellungen der Afrikaaner zum 2. Weltkrieg darstellt. Der Glaube spielt eher eine untergeordnete Rolle, im Mittelpunkt steht, neben persönlichen Schicksalen, die Politik eines gespaltenen Volks.