Vom Sinn einer sinnlosen Flucht

Titel: Murmeln und Granaten: Wie meine Familie vor dem Krieg davonlaufen wollte

Autor/in: Eckart zur Nieden

ISBN: 9783963620539

Wertung: 4 Sterne

Eckhart zur Nieden lebt mit Verwandten Anfang 1945 in einem kleinen Ort in der Nähe von Kassel. Er ist fast sechs Jahre alt und hat einen älteren und einen jüngeren Bruder. Aus Angst vor den Alliierten beschließt seine Familie zu fliehen. Vier kleine Kinder und vier Frauen machen sich auf den Weg zur „Festung Harz“. Wegen der Propaganda des Reichs meinen sie, dort wären sie sicherer als in ihrem heimatlichen Dorf.

Auf dem schwierigen Weg freuen sie sich über jedes kleine Zeichen der Hilfsbereitschaft. In St. Andreasberg endet die Reise. Hier warten sie das Ende der nahen Gefechte ab. Als endlich klar wird, dass die Deutschen den Krieg verloren haben, stellen sie fest, dass die feindlichen Amerikaner nicht so hartherzig und beängstigend sind wie erwartet.

Dieser Bericht beschreibt, wie eine Familie „vor dem Krieg davonlaufen“ will. Die Reise stellt sich im Nachhinein als vergeblich heraus, denn die gerühmte Festung bietet nicht mehr Sicherheit als das heimatliche Dorf. Und doch erweist sich die Reise im Nachhinein als ein einschneidendes Erlebnis auf dem Glaubensweg des Autors.

Dieser authentische Bericht stützt sich auf die eigenen Erinnerungen des Autors, die Erinnerungen seiner Tante und Geschwister, und den Tagebuchaufzeichnungen seiner Mutter.

Das Format des Buchs ist klein und handlich. Die Schrift ist groß und für Senioren geeignet. Die Erzählung ist nicht in Kapiteln eingeteilt. Abwechselnd wird in der Vergangenheitsform aus der Sicht eines erwachsenen Erzählers, und im Präsens aus der Sicht des kleinen Eckharts, erzählt.

Die Sprache ist schlicht und einfach. Der Leser kann sich gut in die Verwunderung des kleinen Kindes hineinversetzen, das versucht die Ereignisse zu begreifen. Anders als die Erwachsenen, kann er sich an Kleinigkeiten freuen; dem kleinen Wohnraum, das Sammeln von Granatsplittern oder das Übernachten im Wald. Durch die zweispurige Erzählweise wird aber auch die Angst und Verzweiflung der Erwachsenen deutlich.

Fazit: Schnell gelesen, erlebt der Leser mit diesem kleinen Band das Ende des zweiten Weltkriegs aus der Perspektive eines Kindes und eines Erwachsenen. Diese Erzählung zeigt, wie Gott Irrwege gebrauchen kann, um sein großes Ziel in Menschenleben zu erreichen. Empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für authentische, historische Geschichten interessieren, aber auch gut geeignet zum Vorlesen im Seniorenkreis.