Oft herrscht in christlichen Kreisen eine zwiespältige Beziehung zum Thema Sexualität. Teilweise wird das Thema gänzlich ausgeklammert, andererseits können moralische Maßstäbe stark propagiert werden und zum Ausschluss aus Gemeinde und gar Familie führen.
Dieses Buch möchte als Hilfe zum Gespräch über kontroverse Themen verschiedene Perspektiven von Christen nebeneinanderstellen. Dazu werden mehrere Ratgeber zum Thema Ehe und Sexualität untersucht, ergänzt durch aktuelle Meinungen von christlichen Influencern. Daneben stehen Erfahrungen von vierzehn Interviewpartnern, die in Familie und Gemeinde unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Sexualität gemacht haben.
Im Mittelpunkt stehen Themen wie vorehelicher Geschlechtsverkehr, Pornokonsum und Masturbation, Geschlechtsidentität, Homosexualität oder Missbrauch. Auch wenn das genannte Anliegen eine neutrale Untersuchung von Meinungen ist, ist eine Wertung zu erkennen. Maßstab ist nicht in erster Linie die Bibel, sondern ein verantwortungsvolles zwischenmenschliches Miteinander.
Nach Aussage des Autorenquartetts verfolgt das Buch folgende Anliegen: „ehrliche Antworten zur Sexualität“, „dass das gegenseitige Verurteilen aufhört“, „konstruktive Gespräche und Debatten anregen“, „dass Menschen ermutigt werden, für die Wahrung ihrer eigenen Grenzen einzustehen“
Diese Anliegen sind gut und dringend notwendig. Die Umsetzung enttäuscht jedoch teilweise. Die Gendersternchen fallen vermutlich als Erstes ins Auge. Ich kann damit leben, finde aber, dass sie den Lesefluss stören und die Sprache verunstalten. Als Frau fühle ich mich auch ohne sie angesprochen. Für mich ist das kein großes Thema, doch ich kenne einige, für die das bereits ein Grund wäre, das Buch abzulehnen.
Das Buch zeigt anhand von Beispielen, wie konservative Einstellungen, wie kein Sex vor der Ehe oder kein Ausleben von Homosexualität, zu starken Verletzungen führen können, sodass Menschen sich sogar ganz vom Glauben abwenden. Diskussionen über solche Themen sind sehr wichtig. Wie schön wäre es, wenn Christen lernen würden, sich trotz gegensätzlicher Meinungen anzunehmen. Dafür wäre es allerdings hilfreich, einen ausgewogenen Text als Diskussionsgrundlage anzubieten und etwas behutsamer mit dem Thema umzugehen, damit konservative Christen nicht von vornherein abgestoßen werden.
Fazit: Eine interessante Diskussionsgrundlage über aktuelle Erfahrungen von Christen mit dem Thema Sexualität. Dabei geht es weniger um den normalen Alltag in einer Ehe, sondern eher um kontroverse Themen. Positiv hervorzuheben ist, dass unterschiedliche Denkweisen nebeneinandergestellt werden. Konservative Christen werden sich jedoch vermutlich nicht mit dem Inhalt dieses Buches identifizieren können und es eher als Angriff auf einen schriftgemäßen Glauben sehen.


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